„Martin Luther und 500 Jahre Reformation“ – ein Projekttag an der Freien Evangelischen Grundschule Hormersdorf

Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr nahmen wir zum Anlass, um uns einen Schultag diesem Thema zu widmen und damit den Kindern das Leben und Wirken Martin Luthers nahe zu bringen sowie sie außerdem mit dem Mittelalter bekannt zu machen.
Am 2. November 2017, also kurz nach dem diesjährigen in allen Bundesländern begangenen Feiertag am 31. Oktober, konnten unsere Schüler und Lehrer mittelalterlich gekleidet in die Schule kommen. Und tatsächlich trafen einige mehr oder weniger bewaffnete Ritter, hübsche Prinzessinnen, schöne Bauersfrauen und Mägde sowie Bauern und Knechte in der Schule ein. Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Einfallsreichtum und Mühe Kostüme zusammengestellt und Gesichter geschminkt wurden.
In einem gemeinsamen Morgenkreis mit unserer Religionslehrerin Frau Schuck erfuhren die Kinder viel Wissenswertes und Interessantes über das Leben der Menschen in Deutschland vor 500 Jahren. Viele gezeichnete Bilder zeigten die Lebensumstände und die Arbeitsbedingungen der einfachen Menschen zu Luthers Zeit. Sehr anschaulich und einprägsam erzählte Frau Schuck von Martin Luther, seiner Familie und seinem Schaffen, besonders von dem Thesenanschlag an der Wittenberger Kirche und von seiner Bibelübersetzung auf der Wartburg bei Eisenach, wo er versteckt unter dem Namen „Junker Jörg“ lebte.
Um noch tiefer in das Thema einzudringen, konnten die Kinder an verschiedenen Stationen tätig werden.

In der Schreibstube
Im Mittelalter gab es außer den gelehrten Mönchen, den Adligen und einigen reichen Bürgern nicht viele Leute, die lesen und schreiben konnten. Bücher waren eine Rarität und furchtbar teuer, denn sie wurden in Klöstern per Hand abgeschrieben, Tinte und Papier kosteten eine Menge Geld. Und es dauerte natürlich sehr lange, gestaltete sich mit der Feder schwierig und bedurfte zuerst langer Übung. Kaum zu glauben, mit welch toller Schrift und Perfektion auch in der künstlerischer Gestaltung die Bücher kopiert wurden.
Dies sollten die Kinder einmal nachvollziehen können. Ausgestattet mit einem Tintenfässchen, einer Feder, einem vordruckten alten Alphabet versuchten sie, ihren Namen zu schreiben. Das ging nicht immer gut. Es gab Kleckse und sogar umgekippte Tintengefäße, die ihre Spuren auf der Bank und zum Teil auch auf der Kleidung hinterließen. Andere Kinder wiederum hätten bei längerer Übung durchaus die Chance auf eine Anstellung in der Schreibstube gehabt.
Selbstverständlich erfuhren die Kinder auch, wie Briefe und andere wichtige Dokumente damals vor neugierigen Blicken geschützt wurden. Nur der rechtmäßige Empfänger durfte schließlich das Siegel erbrechen. Das war für viele Kinder eine echt interessante und neue Sache.
Ein von der katholischen Kirche Beauftragter namens Konstantin Ablassio besuchte ebenfalls unsere Schreibstube. Er hatte eine Menge Ablassbriefe in seiner Tasche, mit denen er den Sündern das Geld aus der Tasche ziehen wollte.

Spielen wie im Mittelalter
Wie spielten die Kinder früher? Welche Spielsachen hatten sie? Wie einfach es doch war: ein paar Steine, ein Spielfeld mit neun Feldern und schon spielten alle „Schiebemühle“. Ein Gummi von Mutti und die Spielregeln von „Gummitwist“ konnten ausprobiert werden. Auch das „Hupekästl“ stammt aus dieser Zeit und es war erfreulich, dass viele Kinder es kannten und auch beherrschten. Beim „Reifenstechen“ erprobten wir Ritterspiele, die besonders die Jungen interessierten.

Musik und Tanz im Mittelalter
In der Aula erlernten alle Schüler einen mittelalterlichen Schreittanz. Musik gab es noch nicht im Radio, auf CD oder vom USB-Stick. Man musizierte und tanzte bei vielen Gelegenheiten im alltäglichen Leben. Ganz anders war somit die Musik mit Geigen und Dudelsack anzuhören und erinnerte an irische Klänge. Die Kinder konnten am eigenen Leib erfahren, dass viel Kombinationsgabe und Koordination erforderlich waren. Alle Schrittkombinationen wurden erst im langsamen Tempo erarbeitet und allmählich immer schneller getanzt. Das machte allen viel Spaß.

Essen und Trinken
Was gab es damals zu essen? Was tranken die Leute? Wie ging es bei der Familie Luther am Tisch zu? Antworten auf diese Fragen gab es hier an der Station. Da Kartoffeln zu dieser Zeit in Europa noch unbekannt waren, stellten die Leute vorrangig Produkte aus Getreide her. Außerdem ernährten sie sich von Gartengemüse, z. B. Rotkraut und Bohnen, und Kräutern. Gut situierte Familien konnten sich auch Fleisch leisten, das oft als ganze Tiere auf die Tafel kam. Besteck fehlte oft und es wurde mit den Fingern gegessen. Zu Tisch tranken die Menschen selbst gebrautes Bier und in Klöstern hergestellten Wein und auch Kinder durften verdünntes Bier probieren. Uns diente Apfelsaft als Bier und wir aßen selbst geschmierte Schnitten mit Kräuterquark und Griebenschmalz. Alle Kinder saßen an einer langen Tafel und ließen es sich schmecken. Bei den Luthers nahmen manchmal vierzig Personen am Essen teil, Martin Luther und seine Frau Katharina, seine sechs Kinder sowie viele Freunde, Bekannte und Studenten.

Bastelzimmer
Hier lernten die Kinder die Heraldik (die Wappenkunde) zu Luthers Zeiten kennen. Jedes Kind erstellte ein eigenes Ritterwappen oder eine Lutherrose, welche im Anschluss daran stolz von den Kindern als Kette getragen und präsentiert wurden. Zudem dachten sich die Kinder kreative Ritternamen aus, die sie auf die Wappen schrieben.
Genauer nahmen die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung der Lutherrose unter die Lupe. Diese diente als Wahrzeichen Luthers Religionslehre bis heute. Zentral in der Mitte steht das Kreuz, welches sich in einem Herz befindet. Dies soll uns vermitteln, dass Jesus Christus die zentrale und wichtigste Rolle in seinem Leben spielte und dieser deshalb der Mittelpunkt seines Glaubens war. Sein Wunsch war es, dass Jesus in die Herzen aller Menschen einzieht.

Unsere Thesen-Tür
Dicht belagert wurde unsere Thesen-Schreib-Ecke auf dem Flur, in der die Kinder eigene Wunsch-Thesen, manchmal auch kunstvoll verziert, auf „altes“ Papier schreiben und auch selbst an eine alte Tür nageln konnten. Es war schon ein ganz schön lautes Hämmern und am Ende für alle sehr interessant zu lesen, was da alles so zu Papier gebracht wurde.

Auch Dank der mithelfenden Eltern können wir auf einen tollen Projekttag zurück blicken, an dem die Kinder bestimmt viel über Martin Luther und seine Zeit mitnahmen.

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